ich habe bereits an Den Herrn Minister folgendes geschrieben
Sehr geehrter Herr Bundesminister,
mit Interesse habe ich Ihr Schreiben zur geplanten Verschiebung der Ausgabe der Endgeräte im Rahmen der Geräteinitiative gelesen.
Ich muss offen sagen, dass ich diese Maßnahme als eine Form der Bevormundung empfinde. Ausgebildete Lehrkräfte sind sehr wohl in der Lage, digitale Endgeräte bereits in der 5. Schulstufe pädagogisch sinnvoll und gewinnbringend einzusetzen. Die Qualität des Unterrichts hängt nicht vom Zeitpunkt der Geräteausgabe ab, sondern von der Professionalität der Lehrpersonen.
Irritiert bin ich zudem von der Aussage, Schülerinnen und Schüler würden bis zu 40 Prozent der Unterrichtszeit mit Social Media oder Spielen verbringen. Gerade das Bildungsministerium hat erst kürzlich eine Kindersicherung für die Schülergeräte ausgerollt, die verhindern soll, dass entsprechende Apps auf den Endgeräten installiert werden können. Sollten Schülerinnen und Schüler zu Hause private Smartphones für derartige Zwecke verwenden, hat dies mit der Geräteinitiative nichts zu tun.
An unserer Schule werden die Geräte seit Jahren verantwortungsvoll eingesetzt. Bereits in den ersten Klassen werden zum Beispiel Arbeitsblätter digital über OneNote verteilt und von den Schülerinnen und Schülern mit dem Stift bearbeitet. Dadurch sparen wir erhebliche Mengen an Papier und fördern gleichzeitig den kompetenten Umgang mit digitalen Werkzeugen. Digitale Kompetenzen entstehen durch kontinuierliche Anwendung und nicht dadurch, dass Geräte möglichst lange ungenutzt bleiben.
Darüber hinaus befürchte ich, dass die geplante Änderung bestehende Bildungsungleichheiten verstärkt. Viele Kinder verfügen ohnehin über private Geräte, andere hingegen nicht. Gerade die Geräteinitiative hat wesentlich dazu beigetragen, Chancengleichheit herzustellen.
Auch aus organisatorischer Sicht erscheint mir die Maßnahme wenig sinnvoll. Sollten die Geräte erst im Sommersemester der 6. Schulstufe ausgegeben werden, werden viele Schulen gezwungen sein, wieder erhebliche Mittel in zusätzliche EDV-Räume und deren Wartung zu investieren. Damit entstehen Kosten, die durch die Geräteinitiative eigentlich längst vermieden werden konnten.
Nicht zuletzt sehe ich in dieser Entscheidung eine Einschränkung der pädagogischen Freiheit der Schulen. Schulen, die digitale Endgeräte bereits erfolgreich und verantwortungsvoll einsetzen, werden durch eine zentrale Regelung ausgebremst, obwohl sie seit Jahren zeigen, dass Digitalisierung und pädagogische Qualität kein Widerspruch sind.
Ich würde mir daher wünschen, dass den Schulen weiterhin das notwendige Vertrauen entgegengebracht wird und dass pädagogische Entscheidungen dort getroffen werden können, wo die Expertise vorhanden ist – nämlich bei den Lehrkräften und Schulleitungen vor Ort.
mit freundlichen Grüßen
Christian Zoller
---------------------------------------------------
Dir. Mag. Christian Zoller, BEd.
Direktion MS Inzing